Vom Aushub zur Ressource
Lokales Bauen bedeutet nicht zwangsläufig neue Abbaustellen zu erschliessen. Viele Baustellen produzieren selbst wertvolles Material. Was heute als Überschuss gilt, kann morgen Baustoff sein. Der Aushub würde normalerweise auf Deponien landen. Bei der weiteren Verwendung des Lehms werden diese direkt entlastet und Ressourcen im Kreislauf gehalten. So wird aus einem Nebenprodukt ein potenzieller Baustoff.
Konkrete Schritte in der Entwurfsplanung können sein: lokale Aushub-Unternehmen oder Baustellen anfragen, Verfügbarkeit prüfen, Materialproben entnehmen, Zusammensetzung analysieren und die Eignung für Lehmputz, Lehmsteine, Stampf- oder Gusslehm von geeigneten Fachpersonen evaluieren lassen. Ein weiteres Potenzial liegt in regionalen Kieswerken: Beim Waschen von Sand und Kies entsteht Filterkuchen – ein mineralischer Feinanteilstrom, der bei geeigneter Zusammensetzung als Ausgangsmaterial für erdbasierte Baustoffe dienen könnte.
Bekanntlich ist Lehm kein standardisiertes Produkt. Er besteht aus unterschiedlichen Anteilen an Ton, Schluff, Sand, Kies und Steinen. Seine Eigenschaften unterscheiden sich je nach Herkunft und Zusammensetzung – etwa hinsichtlich Körnung, Bindigkeit oder Feuchtegehalt – und bestimmen seine Einsatzmöglichkeiten.
Prof. Dr. Uwe Teutsch (Hochschule Luzern – Technik & Architektur), Projektleiter und Mitglied der Steuerungsgruppe von «Think Earth – Regeneratives Bauen», beschreibt den Prozess der Materialprüfung als strukturierten Entscheidungsweg. Die folgende Übersicht zeigt, wie aus lokalem Rohmaterial ein einsetzbarer Baustoff wird.