Mehrwert des Bauens mit Lehm
Tool: Dewbee, Ubakus, WUFI, DELPHIN
Letztlich ist lokales Bauen mit Lehm mehr als eine Materialentscheidung. Es beeinflusst Entwurf, Konstruktion und Raumklima eines Gebäudes. So wirken etwa die massiven Lehmstein-, Stampf- oder Gusslehmbauteile als thermische Speicher: Sie nehmen in Hochtemperaturphasen Wärme auf und geben sie zeitversetzt wieder ab. In Kombination mit Nachtlüftung können sie Hitzeperioden dämpfen und die Innenraumtemperatur stabilisieren.
Zugleich wirkt Lehm als natürlicher Feuchtepuffer. Er reguliert die Luftfeuchtigkeit, indem er überschüssige Feuchte aufnimmt und bei trockener Raumluft wieder abgibt. So entsteht ein ausgeglicheneres Innenraumklima. In Verbindung mit solarpassiven Strategien kann daraus ein robustes Low-Tech-Klimakonzept entstehen, das Komfort erhöht und hohe Kosten für technische Kühlung reduziert.
Digitale Planungswerkzeuge können dabei helfen, verschiedene Aspekte der Material- und Gebäudeperformance bereits in der Entwurfsphase zu beurteilen. Vereinfachte Simulationen mit dem webbasierten Tool «Ubakus» ermöglichen es, thermische Eigenschaften von Bauteilen, einschliesslich U-Werten und Wärmebedarf, zu bewerten. Für die detaillierte Modellierung der hygrothermischen Performance von Lehm-Holz-Bauteilen eignen sich spezialisierte Werkzeuge wie WUFI 2D und COMSOL Multiphysics besser.
Um den Einfluss solcher Bauteile auf Gebäudeebene zu beurteilen – beispielsweise auf Energieperformance, hygrothermischen Komfort und Hitzestress – können Werkzeuge wie Dewbee, WUFI Pro und DELPHIN eingesetzt werden. Das Rhino/Grasshopper-Plugin «Dewbee», entwickelt von Gustavo Zorzetto am Chair of Architecture and Building Systems (A/S) der ETH Zürich, ermöglicht es, diese Effekte bereits während des Entwurfsprozesses zu untersuchen. So wird Materialwissen zu einer fundierten Grundlage für Planungs- und Entwurfsentscheidungen.